Das Jahr 1891 war ein bewegendes Jahr: Papst Leo XIII. verkündet die erste Sozialenzyklika der römisch-katholischen Kirche, in der im jungen Zeitalter der Industrialisierung die Rechte der ausgebeuteten Arbeitnehmer angemahnt werden, Kaiser Wilhelm II. besucht München und betont wiederholt, dass das höchste Gesetz der Wille des Königs sei. Er sagt es lateinisch, damit es nicht so viele merken. Das erste Telefongespräch von Paris nach London über ein Nachrichtenkabel durch den Ärmelkanal wird gehalten, die Firma Daimler baut ihre ersten Lastkraftwagen,  Gerard Philips gründet in Eindhoven (Niederlande) das Unternehmen Philips, erstmals kann man in England Briefmarken aus einem Automaten erwerben und Russland beginnt mit dem Bau der Transsibirischen Eisenbahn.  Auch im kulturellen Bereich konnten einige Ereignisse festgehalten werden: Die Nussknackersuite von Tschaikowski erscheint, Paul Gauguin malt die Frauen von Tahiti und Oscar Wilde schreibt Das Bildnis des Dorian Gray.

In diesem bewegten Jahr wurde auch der MGV „Concordia“ Berghausen e.V. von 26 sangesfreudigen Männern aus Berghausen gegründet. Erster Vorsitzender des neuen Vereins wurde Jakob Stotz, als ersten Dirigenten konnte man Heinrich Köster aus Dörsdorf gewinnen.  Zum Dienst an der dörflichen Gemeinschaft oder zur eigenen Freude stimmten die Sänger damals wie heute ihre Lieder an: Zu Geburtstagen oder Hochzeiten, aber auch zu kirchlichen oder weltlichen Ereignissen und Veranstaltungen.  Der Mitgliedsbeitrag wurde auf 20 Pfennig festgesetzt Die Proben fanden seinerzeit, so war es üblich, in den Stuben der Wohnhäuser statt. Die Eigentümer erhielten hierfür eine Miete von jährlich 18 Mark. 1984 wurde erstmals ein auswärtiges Sängerfest besucht, und zwar in Katzenelnbogen. 1895 beendete Heinrich Köster seiner Dirigententätigkeit, Nachfolger wurde Karl Kimpel aus Klingelbach.

1896 beschaffte sich der Verein eine eigene Fahne, die heute noch gut erhalten ihren Platz im Backes neben ihrer Nachfolgerin aus dem Jahr 1996 gefunden hat. Sie wurde durch die Firma Wahl, Kettenbach geliefert und kostete 240 Mark. Am 08. Juni wurde ihre Einweihung mit einem Fest feierlich begangen. Darüber hinaus führte man in den Wintermonaten in den Nachbargemeinden Allendorf und Dörsdorf Theaterstücke auf, veranstaltete Fastnachtsveranstaltungen und pflegte Kontakte zu umliegenden Gesangvereinen. Auch das Feiern kam dabei nicht zu kurz, was das Kassenbuch für das Jahr 1904 belegt. In Herold verzehrte man auf Kosten des Vereins in der dortigen Gastwirtschaft 32 Liter Bier für insgesamt 7,85 Mark. 1897 gab sich der Verein eine schriftlich niedergelegte Satzung, welche  noch im Original erhalten ist. Heute noch beeindruckend sind die Geldstrafen, welche für das Fernbleiben von den Proben festgesetzt wurden, wenn man bedenkt, dass die Sänger der damaligen Zeit an mit  Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht als wohlhabend bezeichnet werden konnten.  1911 verstarb Chorleiter Karl Kimpel, Nachfolger wurde erneut Lehrer Köster bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges im Jahr 1914. Vorsitzende in dieser Zeit waren Wilhelm Bodenheimer von 1897 bis 1904 und Heinrich Bodenheimer von 1904 bis 1911.


(Auszug aus dem Kassenbuch für das Jahr 1897)



Während des ersten Weltkrieges kam die Vereinstätigkeit zum Erliegen. Erst 1919 beschloss man, die Arbeit wieder aufzunehmen. Vorsitzender war Wilhelm Heß, der bereits zuvor von 1911 bis 1914 Vorsitzender des Vereins war, als Chorleiter wurde Karl Keiling verpflichtet, der dieses Amt bis 1935 ausübte.  Die Inflationszeit machte auch dem Gesangverein zu schaffen. 1922 stiegen die Einnahmen nach dem Kassenbuch auf 13.046 Mark, im November 1923 spendete Willi Bodenheimer acht Milliarden Mark als Eintrittsgeld, die regulären Einnahmen betrugen 12.010.513.930 Mark(!). Diese Zeit war auch von einer lebhaften Mitgliederbewegung geprägt, zahlreiche Ein- und Austritte konnten verzeichnet werden; in den Jahren 1923 bis 1926 zog der Chor sangesfreudige Mädchen und Frauen der Gemeinde zur Mithilfe heran und sang als gemischter Chor.


(Auszug aus dem Kassenbuch für das Jahr 1932)

Wie sehr Stil und Substanz der nationalsozialistischen Idee das Alltagsleben bis in den letzten Winkel durchdrang, zeigt sich auch in der Geschichte des Gesangvereins: Die von der Gauleitung befohlenen neuen Statuten schrieben vor, dass die Aufgabe des Vereins die gemeinsame Pflege und Ausbreitung des deutschen Chorgesangs ist, dass deutsche Volksbewusstsein gestärkt werden soll, die Mitglieder deutscher arischer Abstammung sein müssen. Der Vorsitzende nannte sich nun Vereinsführer und musste durch den Gauführer bestätigt werden. Der Vereinsführer durfte nun seine Stellvertreter, den Schriftführer und den Kassenwart bestimmen, die Mitgliederversammlung hatte nur noch ein Vorschlagsrecht. 1935 übernahm Chorleiter Karl Schönborn den Taktstock und wurde kurz vor dem zweiten Weltkrieg durch Karl Becker abgelöst. Durch Ausbruch des zweiten Weltkrieges wurde der Betrieb erneut eingestellt.

Erst 1951 nahm man die Vereinstätigkeit wieder auf. Zum neuen Vorsitzenden wurde August Dietrich gewählt. Dirigiert wurde der Chor nun von Lehrer Möller bis 1953, ihm folge bis zum Jahr 1956 Wilhelm Meyer und danach Kurt Stickelmann bis ins Jahr 1964. Dann übernahm Willi Pfaff die Dirigententätigkeit. Vorsitzende in diesen Jahren waren ab 1955 Albert Wöll, 1958 Walter Wallrabenstein, 1966 Karl Henrich und 1971 Gerhard Meyer.  In den Jahren 1962 und 1964 nahm man an Wertungssingen mit den Ergebnissen „gut“ bzw. zweimal „sehr gut“ teil.

(Auszug aus dem Protokollheft vom 04.01.1951)

(Auszug aus dem Protokollbuch aus dem Jahr 1951)

Im Jahr 1967 fand das Fest zum 75jährigen Jubiläum des Vereins statt. Kurz vor Beginn der Veranstaltung wurde das Festzelt von einem Unwetter heimgesucht und erheblich beschädigt. Nur dem tatkräftigen Einsatz vieler Mitglieder und sonstiger Helfer war es zu verdanken, dass die Schäden schnell beseitigt wurden und das Programm mit einer kleinen Verspätung beginnen konnte. Eine Meisterleistung, wenn man bedenkt, dass die damaligen Zelte noch nicht die technische Ausstattung besaßen, das Gestänge schwer war und die Planen noch mit Nägeln befestigt wurden.

1972 wurde Paul Schmidt Vorsitzender des Vereins und übte dieses Amt  bis ins Jahr 1989 aus. In regelmäßigen Abständen wurden neben den Ständchen zu Geburtstagen und Feierlichkeiten Sängerfeste veranstaltet, so auch in den Jahren 1977, 1981, 1985 und 1987.  1984 wurde Paul Müller aus Flacht neuer Chorleiter des Vereins.  Ab  dieser Zeit wird in Berghausen auch das beliebte Backesfest durch den MGV ausgerichtet. Seit mehr als 25 Jahren wird am zweiten September-Wochenende im Backes der Ofen angeheizt und nach alter Sitte Kuchen und Brot gebacken. Über die Jahre hat sich das einstige kleine Ortsfest  zu einer Veranstaltung entwickelt, welche mit einem Freundschaftssingen verknüpft, über die Berghäuser Grenzen hinaus bekannt geworden ist.

In der Zeit von 1989 bis 2001 übernahm Torsten Heuser das Amt des ersten Vorsitzenden mit Ausnahme des Zeitraums von Januar 1994 bis 1995. Hier übte Axel Aulmann dieses Ehrenamt aus. Im Juni 1991 feierte der Verein sein 100jähriges Bestehen. An zwei Festwochenenden kamen insgesamt 33 Chöre, um zu diesem besonderen Jubiläum zu gratulieren. Zuvor bekam der Chor am 02.06.1991 in einer Feierstunde in Kruft/ Eifel die durch den Bundespräsidenten gestiftete Zelter-Plakette aus der Hand der rheinland-pfälzischen Kultusministerin, Dr. Rose Götte, überreicht.

Im März 1993 nahm der Verein an einem Kritiksingen des Sängerkreises Unterlahn teil. Bei der Bewertung wurde ausdrücklich auf die erfreulich vielen jungen Stimmen hingewiesen, die zur Verfügung ständen. Eine ansprechende gute Gesamtbeurteilung rundete das Ergebnis ab.

Ein weiterer Höhepunkt war das 100jährige Stiftungsfest der Vereinsfahne im Jahr 1996, bei einem  Fahnenumzug mit den Nachbarchören wurde eine Tradition aus alter Zeit wiederbelebt.

Im Dezember 1999 wurde Paul Müller nach mehr als 15jähriger Tätigkeit als Chorleiter verabschiedet. Nachfolgerin wurde Charlotte Hoffmann aus Kaltenholzhausen bis ins Jahr 2004, danach wurde Klaus-Diethardt Birkholz bis ins Jahr 2007 Dirigent des Vereins. Seit dieser Zeit übt Uwe Weiland dieses Amt aus.  Im Jahr 2001 wählte die Mitgliederversammlung Peer Klein zum Vorsitzenden, seit dem Jahr 2007 steht Franz Sonneck dem Verein vor.

Im Jahr 2010 beteiligte sich der Verein an den Feierlichkeiten der Ortsgemeinde Berghausen zum 750jährigen Bestehen. Neben den Auftritten des Chores wurde eigens für das Jubiläum ein Projektchor gegründet, bei welchem allen Bürgerinnen und Bürgern von Berghausen die Möglichkeit gegeben wurde, in der Gemeinschaft mitzusingen und so den Festkommers mitzugestalten.

Der Verein hat zurzeit über 100 Mitglieder, wovon 22 als Sänger im Chor aktiv sind. Unverändert seit den Gründungstagen sind die obersten Ziele des Männergesangvereins die dörfliche Gemeinschaft in Berghausen zu erhalten, mit seinen Darbietungen die weltlichen und kirchlichen Ereignisse zu umrahmen, die Mitglieder zu ihren Jubiläen zu ehren und den Chorgesang in der Gemeinde zu erhalten. Es wäre schön, wenn sich noch Interessierte finden würden, um diese Ziele zu unterstützen und zu erhalten.



Torsten Heuser


Quellen:
1. Manfred Keiling: Chronik von Berghausen, 2001
2. Walter Wallrabenstein:  Vereinsgeschichte im Festbuch zum 100jährigen Bestehen des MGV „Concordia“ Berghausen, 1991
3. Walter Wallrabenstein/ Torsten Heuser: Vereinsgeschichte im Festbuch zur 100jährigen Fahnenweihe des MGV „Concordia“ Berghausen,   
     1996
4. Erhaltene Dokumente des Vereins